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Problem Überschuldung

Aktuelle Lage: Jugendüberschuldung

Nach Lange und Fries (2006) beschreibt der Begriff Jugendüberschuldung die Tatsache, dass sich ein Jugendlicher Geld leiht, das er nicht selbst zurückzahlen kann.

In den vergangenen Jahren ist ein zunehmender Trend zur Überschuldung bei Jugendlichen zu beobachten. Der aktuelle Schuldneratlas von 2010 zeigt besorgniserregende Daten auf: Die Zahl verschuldeter Jugendlicher unter 20 ist von 2009 bis 2010 um 54.000 auf insgesamt 197.000 gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von 38% innerhalb nur eines Jahres. Seit 2004 hat sich die Zahl verschuldeter Personen unter 20 gar um dramatische 272 Prozent erhöht. Überdies steigt die Zahl der Privatinsolvenzen in der Altersgruppe bis 25 Jahre in Deutschland stetig an. Bereits jeder fünfte Klient der Schuldnerberatungsstellen ist jünger als 25 Jahre.

Einer repräsentativen Befragung unter Jugendlichen zufolge (Lange, 2005) sind 18% der Jugendlichen zwischen 15 und 24 mit durchschnittlich 1208 Euro verschuldet. Überschuldet sind 7% der Jugendlichen mit einer durchschnittlichen Schuldensumme von 2816 Euro.

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Gründe für Jugendüberschuldung

Die Gründe für Überschuldung sind sehr vielfältig. Viele überschuldete Menschen können wenig für ihre finanzielle Lage, denn oft sind es unkontrollierbare Lebensereignisse, die Überschuldung verursachen. Der iff-Überschuldungsreport Deutschland 2010 führt als die drei größten Gründe für Überschuldung in Deutschland Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit und Trennung von Partnerschaften an.

Allerdings es gibt auch vermeidbare Ursachen von Überschuldung, wie zum Beispiel übermäßigen Konsum und mangelnde Haushaltsplanung. Fragt man Schuldenberater zeigt sich, dass gerade diese vermeidbaren Ursachen bei der Gruppe jugendlicher Überschuldeter überrepräsentiert sind. Auch die Studie von Lange (2005) zeigt, dass ein Großteil der von Jugendlichen genannten Gründe für Jugendüberschuldung potentiell vermeidbar sind. 67% der Jugendlichen geben an, dass der Grund für ihre Überschuldung eine größere Anschaffung war und 36% führen ihre prekäre finanzielle Lage auf schlechte Wirtschaftsplanung zurück. Kritische Lebensereignisse wurden hingegen deutlich seltener genannt. Diese Zahlen sprechen dafür, dass mangelnde finanzielle Kontrolle und budgetgerechte Finanzplanung eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Jugendüberschuldung spielen. Diese Interpretation wird unterstützt durch den Befund, dass Jugendliche erhebliche Mängel im Finanzwissen aufweisen: Etwa die Hälfte der Jugendlichen gibt an, dass ihre Kenntnisse in Finanzfragen eher schlecht seien (Wirtschaftsverständnis und Finanzkultur, 2009). Auch der Schuldneratlas 2010 untermauert, dass das kompetente Wirtschaften mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ein zentrales Problem darstellt: Im Jahr 2008 war der Hauptgrund bei 19 % der Überschuldungsfällen unter 25 Jahren eine unwirtschaftliche Haushaltsführung. Die Autoren schließen mit der Handlungsempfehlung, dass gezielte Bildungsinvestitionen zur Förderung der Finanzkompetenz junger Verbraucher dringend notwendig seien. Ein Präventionsprogramm zur Anwendung in der Schule bietet hierfür einen vielversprechenden Rahmen.

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